Unabhängige Versicherungsberatung in Kaarst | Ihr Vorteil: Transparente Honorarberatung

Altersvorsorgedepot 2026: Die Riester-Alternative

Die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit 20 Jahren steht bevor.

Die Riester-Rente gilt seit Jahren als gescheitert: zu teuer, zu bürokratisch, zu renditeschwach. Mit dem Altersvorsorgedepot plant die Bundesregierung einen Neustart. Das neue Modell setzt auf ETFs statt auf Garantieprodukte und verspricht deutlich höhere Renditen. Wir erklären, was sich ändert und für wen das Altersvorsorgedepot geeignet ist.

Warum die Riester-Rente am Ende ist

Rund 16 Millionen Riester-Verträge existieren in Deutschland, doch fast ein Drittel davon wird nicht mehr bespart. Die Gründe liegen auf der Hand: Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten fressen die staatliche Zulage oft komplett auf. Die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie zwingt Anbieter dazu, das Geld konservativ anzulegen. Nach Inflation und Kosten bleibt für viele Sparer kaum etwas übrig.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht das Problem: Die durchschnittliche Rendite klassischer Riester-Verträge lag in den letzten zehn Jahren bei unter 1,5% pro Jahr. Ein einfacher ETF-Sparplan auf den MSCI World erzielte im gleichen Zeitraum über 8% jährlich. Diese Lücke hat die Politik zum Handeln gezwungen.

Das Altersvorsorgedepot: So funktioniert es

Das Altersvorsorgedepot erlaubt erstmals die staatlich geförderte Altersvorsorge über ETFs, Indexfonds und andere Investmentfonds. Die wichtigsten Eckpunkte:

  • Keine Beitragsgarantie: Anders als bei Riester muss der Anbieter nicht garantieren, dass mindestens die eingezahlten Beiträge am Ende zur Verfügung stehen. Das ermöglicht renditestarke Aktieninvestments.
  • Staatliche Förderung: Für jeden eingezahlten Euro gibt der Staat 20 Cent dazu, maximal 600 Euro Förderung pro Jahr (bei 3.000 Euro Eigenbeitrag).
  • Grundzulage: Zusätzlich gibt es eine Grundzulage von 175 Euro pro Jahr, unabhängig vom Einkommen.
  • Kinderzulage: 300 Euro pro Kind und Jahr (für ab 2008 geborene Kinder).
  • Steuerliche Absetzbarkeit: Beiträge bis 3.600 Euro jährlich sind als Sonderausgaben absetzbar.

Rechenbeispiel: Altersvorsorgedepot vs. Riester

Eine 35-jährige Angestellte spart 30 Jahre lang 200 Euro monatlich. Bei einer angenommenen Rendite von 6% (ETF-basiert) ergibt sich im Altersvorsorgedepot ein Endkapital von rund 201.000 Euro. Ein klassischer Riester-Vertrag mit 1,5% Rendite hätte nach 30 Jahren nur etwa 90.000 Euro erreicht. Selbst nach Berücksichtigung der fehlenden Garantie ist der Unterschied enorm.

Die Frühstart-Rente: Vorsorge ab dem Kindesalter

Ein besonders interessantes Element der Reform ist die Frühstart-Rente. Ab 2026 soll der Staat für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorgedepot einzahlen. Das sind 120 Euro pro Jahr, die über den Zinseszinseffekt bis zum Rentenalter auf mehrere Zehntausend Euro anwachsen können.

Die Idee dahinter: Wer früh mit der Vorsorge beginnt, profitiert am stärksten vom Zinseszinseffekt. 120 Euro pro Jahr über 12 Jahre ergeben bei 6% Rendite bis zum Alter von 67 rund 50.000 Euro. Ein starker Einstieg, den kein anderes Vorsorgeinstrument bietet.

Zeitplan: Wann kommt das Altersvorsorgedepot?

Der Gesetzentwurf wurde im Februar 2026 vom Bundestag beraten. Nach der Zustimmung des Bundesrates werden die Anbieter bis Januar 2027 Zeit haben, ihre Produkte zu entwickeln und zertifizieren zu lassen. Der Zeitplan im Überblick:

  • Februar 2026: Zweite und dritte Lesung im Bundestag
  • März 2026: Zustimmung des Bundesrates (erwartet)
  • Ab Sommer 2026: Produktentwicklung und Zertifizierung durch die BaFin
  • Januar 2027: Erste Altersvorsorgedepots am Markt verfügbar

Das Bundesfinanzministerium stellt auf seiner Website die aktuellen Entwürfe und Erläuterungen zur Verfügung.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Das neue Instrument ist vor allem für drei Gruppen interessant:

Junge Arbeitnehmer

Wer 30 oder mehr Jahre bis zur Rente hat, profitiert maximal von der ETF-basierten Anlage. Kursschwankungen werden über die lange Laufzeit ausgeglichen, und der Zinseszinseffekt entfaltet seine volle Wirkung.

Geringverdiener

Die Zulagenstruktur begünstigt Personen mit niedrigem Einkommen besonders stark. Bereits bei kleinen Eigenbeiträgen liegt die Förderquote bei über 50%. Zusammen mit der betrieblichen Altersvorsorge entsteht eine solide Vorsorgebasis.

Familien

Durch die Kinderzulage von 300 Euro pro Kind kann eine Familie mit zwei Kindern bis zu 1.175 Euro staatliche Förderung pro Jahr erhalten. Dazu kommt die Frühstart-Rente für die Kinder selbst.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Bestehende Riester-Verträge bleiben bestehen und werden weiterhin gefördert. Ein Wechsel in das neue Altersvorsorgedepot soll möglich sein, wobei die Details noch festgelegt werden. Lassen Sie ruhenden Riester-Vertrag nicht voreilig kündigen. Die versteckten Kosten bei Versicherungsverträgen können bei einer vorzeitigen Kündigung besonders hoch ausfallen.

Kritik und offene Fragen

Trotz der positiven Grundrichtung gibt es berechtigte Kritik. Der Wegfall der Beitragsgarantie birgt Risiken, besonders für Sparer kurz vor der Rente. Ob die avisierten Kostenobergrenzen (maximal 0,5% Verwaltungskosten pro Jahr) tatsächlich eingehalten werden, bleibt abzuwarten. Zudem fehlt noch eine klare Regelung für die Auszahlphase: Wird eine lebenslange Rente Pflicht, oder sind flexible Entnahmepläne erlaubt?

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung

Das Altersvorsorgedepot adressiert die größten Schwächen der Riester-Rente: zu hohe Kosten, zu niedrige Renditen, zu starre Produkte. Ob es den erhofften Durchbruch für die private Altersvorsorge bringt, hängt von der konkreten Umsetzung ab. Die Grundidee, staatliche Förderung mit kosteneffizienten ETF-Investments zu verbinden, ist überzeugend. Wir werden die Entwicklung begleiten und berichten, sobald die ersten Produkte verfügbar sind.

Beratung gewünscht?

Sie möchten wissen, wie das Altersvorsorgedepot in Ihre persönliche Vorsorgestrategie passt? Wir beraten Sie gern.

Beratungstermin vereinbaren