Auch eine Frage, die haufig gestellt wird. Welche Versicherungsgesellschaften sind gut bzw. schlecht? Wer jetzt hier eine Liste mit guten/schlechten Gesellschaften erwartet, den muss ich leider enttauschen.
Keine pauschale Antwort
So pauschal kann man das in der Regel auch gar nicht feststellen. Sicherlich gibt es einige Gesellschaften, die eher einen guten Ruf oder eher einen schlechten Ruf genießen. Teilweise sicher auch zu Recht.
Dennoch: Wie kommt es, dass der Anton mit Gesellschaft X sehr zufrieden ist, wahrend Bertram uber dieselbe Gesellschaft schimpft, wie ein Rohrspatz?
Was alle Gesellschaften gemeinsam haben
Das ist sehr gut moglich, denn alle Gesellschaften haben einiges gemeinsam:
1. Unterschiedliche Vertragsmodelle und Tarife
Je nach Vertrag kann es dann durchaus sein, dass Anton seine Leistung erstattet bekommt, wahrend Bertram in die Rohre schaut.
2. Unterschiedliche Vertragsvermittler
Je nach Vermittler kann es daher sein, dass Anton sehr gut informiert in den Vertrag eingestiegen ist und jederzeit einen Ansprechpartner hat. Sein Vermittler ist uberdies fachlich sehr ausgebildet und weiß auf alle Fragen eine Antwort.
Wahrend Bertrams Vermittler nur die Unterschrift wichtig war, nicht aber der Kunde. Er weiß, wie man Vertrage verkauft, alles andere interessiert ihn nicht so. Deshalb ruft Bertram dort schon gar nicht mehr an.
3. Unterschiedliche Sachbearbeiter
Menschen. Auch mit Tagesform, Charakterkopfen, unterschiedlichen Qualifikationen.
- Antons zustandige Sachbearbeiterin ist immer frohlich und gut gelaunt und hat Zeit fur ein Plauschchen am Rande
- Bertrams Mitarbeiterin steckt gerade in einer schweren Lebenskrise und ist froh, wenn Bertram nicht anruft
- Antons Mitarbeiterin hat uberdies gerade in der Abteilung wegen ihrer fachlichen Kompetenz die Position einer Gruppenleiterin eingenommen
- Bertrams Mitarbeiterin ist froh, wenn Sie um 16.00 Uhr das Haus verlassen kann
4. Keine Unfehlbarkeit
Uberall, wo es menschelt, passieren auch Fehler. Das ist normal. So kann auch Antons Mitarbeiter mal einen schlechten Tag haben und eine Fehlentscheidung treffen, genau, wie Antons Vermittler.
5. Unterschiedliche Kunden
Auch Anton und Bertram sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Anliegen. Auch wenn beide sich vielleicht im Krankenhaus kennen lernen, wo sie gerade wegen eines "unfallbedingten" Bandscheibenschadens liegen.
- Anton bekommt fur jeden Tag Krankenhaustagegeld gezahlt, sein Bandscheibenschaden war unstreitig uberwiegende Ursache einer außeren Gewalteinwirkung
- Bertram bekommt nichts, sein Bandscheibenschaden ist entstanden, weil er sich verhoben hat
- Beide melden den Schaden ihrer Unfallversicherung X
- Anton ist zufrieden. Bertram ist sauer
(zur Problematik, dass man Schaden 1 niemals mit Schaden 2 vergleichen kann, schreibe ich bei Gelegenheit einen weiteren Artikel)
6. Bedingungswerke und gesetzliche Grundlagen
Jeder Vertrag, egal bei welcher Gesellschaft, hat eine Rechtsgrundlage. Kein Versicherer kann machen was er will oder ausknobeln, ob sie dem Kunden etwas bezahlt oder nicht.
Die wesentlichen Unterschiede
Die wesentlichen Unterschiede zwischen den Gesellschaften liegen daher hier:
1. Starken in unterschiedlichen Sparten
Keine Gesellschaft ist in allen Sparten gleich stark oder preiswert. Jede Gesellschaft hat ihr Steckenpferdchen, wo sie besonders gute Tarife zum guten Preis anbietet.
So kann es durchaus sein, dass man bei Gesellschaft X sehr gut mit seiner Unfallversicherung aufgehoben ist, sich aber fur die Kraftfahrzeugversicherung lieber einen anderen Partner sucht.
Welche Gesellschaft wo stark ist, muss im Einzelfall gepruft werden. Und auch, welche Gesellschaft uberhaupt welche Vertrage bzw. Tarife anbietet. Nicht alle Gesellschaften decken das komplette Spektrum ab.
2. Geschaftspolitische Entscheidungen
Diese betrifft u.a. Fragen wie:
- "Bis zu welcher Summe zahlen wir Kulanz"
- "Ab wieviel Vertragen betrachten wir einen Kunden als Rundumkunden, an dessen Bleibe wir interessiert sind"
Die Realitat fur Versicherungsnehmer
Das sind aber in aller Regel Dinge, von denen man als Versicherungsnehmer nichts mitbekommt. Den Versicherungsnehmer treffen eher die Umstande, die bei den Gesellschaften in aller Regel gleich sind.
Fazit
Von daher kann man im Prinzip gar keine Stellung nehmen zur Frage: Welche Gesellschaft ist gut oder schlecht?
Es gibt gewisse Tendenzen, ja, die liegen aber oft eben in diesen geschaftspolitischen Entscheidungen und der Art und Weise mit Kunden umzugehen.
Verbandelte Gesellschaften
Und das "Topic" dabei ist ja noch, dass viele Gesellschaften miteinander verbandelt sind, ohne dass der Kunde es weiß.
So wird schon der eine oder andere Sachbearbeiter der Gesellschaft X vor sich hin gelachelt haben, wenn der erboste Kunde androht, zur Konkurrenz Z zu wechseln. Der Kollege, der die Vertrage zur Gesellschaft Z bearbeitet, konnte dem Mitarbeiter der X Gesellschaft gerade gegenuber sitzen.
Worauf es wirklich ankommt
- Individuelle Prufung: Welche Gesellschaft fur welche Sparte am besten ist
- Qualitat des Vermittlers: Fachliche Kompetenz und Serviceorientierung
- Vertragsdetails: Die richtigen Bedingungen und Leistungen fur Ihre Situation
- Transparenz: Klare Kommunikation und nachvollziehbare Entscheidungen